Liebe Eltern,
Umfragen in der 1980er Jahren in den
USA ergaben immer wieder sowohl bei jüngeren als auch
bei älteren Bürgern
einen erschreckenden geographischen Analphabetismus.
Saul Steinberg
zeichnete das Bild, das sich ein New Yorker von der Welt machte:

Ganz vorne und groß die 9th Avenue -
und irgendwo hinten der Rest der
Welt.
Ähnliche Darstellungen sind später von vielen Städten adaptiert
worden,
zum Beispiel (von einem anderen Zeichner;
hier nach einer käuflichen
Postkarte) Frankfurt am Main:

Frankfurt
am Main aus der Sicht eines Frankfurters:
Vorne groß der Main mit zwei seiner markanten Brücken,
dann eher schon verschwommen bedeutende Gebäude der Stadt,
dahinter der Taunus, irgendwo Paris, "Nordsea" und "Ostsea"
und - schmal, undeutlich, irgendwo vorhanden und
doch nirgends - der Rest der Welt.
Erst mit dem "Goals 2000 -
Educate America Act" ging man energisch daran,
die geographische
Bildung in den Schulen der USA wieder auf eine
feste Grundlage zu stellen: Das
Integrationsfach Social Studies sollte wieder
abgeschafft werden
zugunsten des selbständigen und verpflichtenden Kernfaches Geography
(Erdkunde).
In Deutschland geht die
Bildungspolitik immer noch eher auf dem Weg,
der sich in den USA als Irrweg
herausgestellt hat: Es wird immer wieder versucht,
Erkunde / Geographie nur als
Teil eines Integrationsfaches
mit Gemeinschaftskunde oder Politik oder auch
Wirtschaft oder Naturwissenschaften unterrichten zu lassen.
In einigen
Bundesländern ist Erdkunde/ Geographie Teil eines Integrationsfaches mit
unbestimmten
Stundenanteilen und unbestimmten Inhalten. In Baden-Württemberg wurden sowohl für die
Haupt-/Realschule als auch
das allgemeinbildende Gymnasium neue Integrationsfächer mit
Erdkunde / Geographie geschaffen.
Das widerspricht pädagogischen, fachlichen
und didaktischen Erkenntnissen.
Fachübergreifender und
fächerverbindender Unterricht ist richtig und notwendig - er benötigt aber
als
Grundlage den Unterricht in den Fächern. Gerade die Geographie ist -
fachimmanent - fächerverbindend.
Der Verband Deutscher Schulgeographen stellt fest, dass immer dann, wenn Stunden
für
andere Fächer gebraucht werden, zuerst an die Erdkunde als
"Steinbruch" gedacht wird. Erdkunde / Geographie ist aber für
die Bildung des
Weltbildes Ihrer Kinder so wichtig, dass das Fach eigenständigen,
möglichst
zweistündigen Unterricht in allen Klassenstufen und Schularten erfordert.
Mangelnder Geographieunterricht kann zu einem falschen Weltbild, zu
Uneinsichtigkeit in die
notwendige Anpassung menschlichen Handelns an die
Erfordernisse der Ökologie und
schließlich zu Fremdenfeindlichkeit führen.
Das ist der breiten Öffentlichkeit - leider - viel zu wenig bewusst.
Unsere Bitten und Anregungen, wenn
Sie der Meinung sind, dass geographische Bildung
und Umwelterziehung wichtige
Inhalte sind, die Ihren Kindern vermittelt werden sollen:
- Erkundigen Sie sich sich nach der Soll-Anzahl der Stunden Geographie/Erdkunde
in der Stundentafel der Klasse Ihres Kindes.
- Werden geographische Inhalte in einem Integrationsfach unterrichtet
oder wird Erdkunde / Geographie nur einstündig oder sogar überhaupt nicht unterrichtet,
erkundigen Sie sich nach den Gründen dafür und bewerten Sie sie selbst.
- Fordern Sie den Fachlehrer Geographie für Ihre Kinder,
wenn Erdkunde / Geographie fachfremd unterrichtet wird.
- Wenden Sie sich ggf. an die Landeselternvertretung Ihres Bundeslandes
und fordern Sie sie auf, sich bei der Kultusbehörde Ihres
Bundeslandes für die Stärkung des Erkunde-/Geographieunterrichts einzusetzen.
- Achten Sie als Eltern mit darauf, dass Exkursionen, Schulausflüge und
Studienfahrten Ihrer Kinder immer auch zugleich von einem Geographen
mit vorbereitet werden und möglichst auch von ihm begleitet werden.
Wenn Sie weitere Informationen
wünschen, wenden Sie sich bitte an uns:
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