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Kommission
Geographische Erziehung der Internationalen
Geographischen Union (IGU) Geographische
Erziehung zur kulturellen Vielfalt Seoul
(Südkorea), im August 2000 Präambel Im Bewusstsein, dass die Bedeutung, die der geographischen Erziehung
zukommt, von Nation zu Nation verschieden ist und unser Verständnis der
Mensch-Umwelt-Beziehungen von den raschen Entwicklungen in den
Kommunikationstechnologien und den Veränderungen in gesellschaftlichen,
politischen und wirtschaftlichen Einstellungen auf lokaler, nationaler und
internationaler Ebene beeinflusst wird, dazu beizutragen, alle Bürger verstärkt dazu zu befähigen,
eine gerechte, nachhaltige und angenehme Welt für alle zu schaffen, und erklären, 1. dass geographische Erziehung den Menschen der Welt die
Grundlage dafür bietet, Folgendes zu entwickeln: ·
Die Fähigkeit, für die Menschenrechte
sensibilisiert zu sein und diese zu verteidigen, ·
die Fähigkeit, kulturelle Vielfalt zu verstehen, zu
akzeptieren und ihren Wert zu schätzen, ·
die Fähigkeit, verschiedene Ansichten über Menschen
und ihre Lebensumstände zu verstehen, sich in sie hineinzuversetzen und sie
kritisch zu würdigen, ·
die Bereitschaft, sich der Auswirkungen der eigenen
Lebensweise auf Umwelt und Gesellschaft bewusst zu werden, ·
ein Bewusstsein für die dringende Notwendigkeit, unsere
Umwelt zu schützen und denjenigen Gemeinden und Regionen ausgleichende
Umweltmaßnahmen angedeihen zu lassen, die Umweltzerstörung erfahren haben, und ·
die Fähigkeit, als informiertes und aktives
Mitglied der eigenen und der globalen Gemeinschaft zu handeln. 2. dass geographische Forschung und Lehre einen
wesentlichen Beitrag für unser Verständnis der Verschiedenartigkeit von
Kultur, Gesellschaft und Industrie in unserer Welt leistet. Geographie spielt durch die Untersuchung von Ort, Raum,
Staat, natürlichen Ressourcen und den Lebensumständen der Menschen eine
wesentliche Rolle bei der Erkenntnis der kulturellen Vielfalt der Menschen
und ihrer Gemeinschaften auf der Welt. Damit bildet die Geographie eine
wichtige „Brücke“ zwischen den Natur- und Gesellschaftswissenschaften.
Geographen können auf eine lange Tradition von bedeutenden Beiträgen zur
Entscheidungsfindung im lokalen, regionalen und globalen Maßstab für eine
Vielzahl von Belangen zurückblicken, die die Ressourcenverwaltung, das Gesundheitswesen, die Erhebung von Umweltwerten, das
Verkehrswesen, klimatische Veränderungen und das Risikomanagement
einschließen. Da sich die gemeinsame Sorge der Menschheit zu Beginn des 21.
Jahrhunderts auf die natürliche und die vom Menschen geschaffene Umwelt richtet,
besteht der Hauptbeitrag der Geographie für die Zukunft des Planeten jetzt
darin, unser Verständnis der räumlichen Aspekte der Mensch-Natur
Schnittstelle mit den ihr möglichen pädagogischen und wissenschaftlichen
Anstrengungen zu erweitern. 3. dass geographische Erziehung zum Verständnis der
Notwendigkeit beiträgt, die natürliche Umwelt im lokalen, nationalen und
internationalen Maßstab zu schützen Geographische Erziehung befähigt Menschen dazu, ihre zur
Selbstverständlichkeit gewordenen Lebensweisen und ihr Verhalten hinsichtlich
der Auswirkungen auf die Entwicklung anderer Menschen, Orte und Regionen
kritisch zu bewerten. Geographische Erziehung fördert eine umweltfreundliche
Kultur auf allen Ebenen der Mensch-Natur-Beziehungen. 4. dass geographische Unterweisung den Menschen auf den
unterschiedlichsten Erziehungsebenen dazu befähigt, unseren Planeten als
globales Erbe zu schützen Auf allen Ebenen der Erziehung, vom Kindergarten bis zur
Hochschule und darüber hinaus lebenslang, erweitert die geographischen
Perspektive der Welt die Fähigkeiten, die ein Mensch braucht, um den
Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht werden zu können, und zwar in
folgender Weise: ·
persönlich; das schließt die Bewusstheit über die
eigenen Beiträge zum und den eigenen Einsatz für den Schutz der Umwelt ein; ·
gesellschaftlich; das schließt die Fähigkeit und
Bereitschaft dazu ein, mit anderen Bürgern verschiedenster kultureller
Identität bei öffentlichen Anlässen eine gemeinsame Handlungs- und
Verantwortungsgrundlage zu schaffen; und ·
räumlich; das schließt ein, dass jeder Mensch
erkennen muss, dass er sich im Einflussbereich von verschiedenen, sich
gegenseitig beeinflussenden Kulturen im lokalen, regionalen und globalen
Maßstab zu sehen hat. 5. Wir erklären daher, ·
dass Fachinhalte der Geographie wesentliche
Gesichtspunkte dazu beitragen, verstehen zu können, welchen Platz wir in der
Welt einnehmen und wie Menschen ihre
Umwelt wechselseitig beeinflussen; ·
dass geographische Forschung und Erziehung das
kulturelle Verständnis und die wechselseitige Beziehungen zwischen den
Menschen und Völkern sowie Gleichheit und Gerechtigkeit im lokalen,
regionalen und globalen Maßstab fördert und erhöht. Alle Lernenden haben ein Anrecht darauf, durch
geographische Erziehung gesellschaftliche, kulturelle und umweltbedeutsame
Wertmaßstäbe zu entwickeln und dadurch zu geographisch gebildeten Menschen zu
werden. Wir, Geographen/innen in Forschung, Lehre, Anwendung,
Ausbildung und Erziehung, verpflichten uns dazu, die weltweite geographische
Erziehung zu fördern, um den zukünftigen Herausforderungen der natürlichen
Umwelt und der wirtschaftlichen Entwicklung entsprechen zu können. Danksagung Die IGU Commission on Geographical Education dankt den
vielen Mitgliedern in der ganzen Welt, die zur Formulierung dieser Erklärung
beigetragen haben. Professor Rod Gerber Chair, Commission on
Geographical Education Übersetzung
aus dem Englischen: Dr. Karola Aust und Dr. Eberhard Schallhorn |