Das Bild des Baches
Das Thema meines Jufo-Projektes ist die Gewässerstrukturanalyse am Beispiel des Thiener Mühlenbaches. Als
ich etwa ein Jahr vor Beginn des Jufo-Wettbewerbes vor der Frage stand, welches
Thema ich behandeln wollte, konnte ich schnell festlegen, dass ich mich auf
jeden Fall mit Fließgewässern beschäftigen wollte. Dabei erschien mir der
Thiener Mühlenbach sehr geeignet, da er quasi direkt vor meiner Haustür durch
das Osnabrücker Nordland fließt und ich mich auf diese Weise mit der
Gewässerökologie meiner konkreten Umgebung beschäftigen konnte. Allerdings
wollte ich den Bach nicht mit den herkömmlichen Methoden wie z.B. chemischen
Analysen bewerten, da diese schon häufig angewendet wurden und in meinen
Augen kein differenziertes Bild über den Bach abgeben. Also habe ich lange
mit meinem Betreuungslehrer überlegt, mit welcher Bewertungsmethode ich an
den Bach herangehen könnte. Somit kamen wir auf die Idee, eine
Gewässerstrukturanalyse am Beispiel des Thiener Mühlenbaches durchzuführen. Die
Gewässerstrukturanalyse ist ein noch sehr neues Bewertungskriterium für
Fließgewässer und somit noch wenig erforscht, was die Arbeit sehr interessant
macht. Die Strukturanalyse zielt darauf ab, das äußere Erscheinungsbild eines
Fließgewässers zu bewerten. Dabei untersucht man sämtliche
hydromorphologische, also strukturelle Eigenschaften eine Baches, wie z.B.
die Aue, das Ufer oder die Gewässersohle. Insgesamt gibt es zehn solcher
Bewertungskriterien, die in einem Bewertungsbogen der Vereinigung Deutscher
Gewässerschutz vereinfacht zusammengefasst sind. Bei der Arbeit am Bach wird
dann jeder Parameter einer ökologischen Bewertungsstufe zugeordnet, die von
natürlich/sehr gut bis hin zu schlecht reichen kann. Am Schluss bildet man
aus den Einzelwerten einen Mittelwert und erhält eine „Strukturgütenote“.
Somit erhält man mit einfachem Aufwand ein sehr differenziertes Bild über die
ökologische Funktionsfähigkeit des Baches, welche Lebensräume vorhanden sind
und wo die Probleme des Baches liegen. Zunächst
habe ich durch intensives Literaturstudium einen Einblick darin bekommen, wie
die verschiedenen Strukturen eines Baches im Idealfall aussehen. Dies ist
eine Grundvoraussetzung dafür, die Strukturen in der Praxis bewerten und den
vereinfachten Bewertungsbogen anwenden zu können. Dann habe ich mir zwei etwa
100m lange Abschnitte am Thiener Mühlenbach ausgesucht, die den Bach
insgesamt gut repräsentieren und auf erstem Blick eine naturferne und
naturnahe Struktur aufgewiesen haben. Somit konnte ich zwei Bachabschnitte
kontrastiv gegenüberstellen und den Unterschied zwischen naturnaher und
naturferner Gewässerstruktur verdeutlichen. Es
folgten also über das ganze Jahr verteilt viele Tage, an denen ich mit Gummistiefeln
bewaffnet in der Praxis, also sprich in der Natur, die verschiedenen
Parameter der Gewässerstruktur bewertet habe. Somit konnte ich die Defizite
des naturfernen Abschnittes aufdecken und die schützenswerte gute
Gewässerstruktur des anderen Abschnittes herausstellen. Der
naturferne Bachabschnitt verläuft begradigt in einer landwirtschaftlich
genutzten Umgebung. Viele Strukturen wie z.B. die Strömung oder die
Gewässersohle wiesen nicht mehr die sonst typische Vielfalt auf, und auch die
Flora des Baches ließ Rückschlüsse auf Eingriffe des Menschen zu. Interessant
dabei ist, dass die einzelnen Parameter nicht nur für sich alleine stehen,
sondern sich stets auch gegenseitig beeinflussen. Somit wird vom angrenzenden
Acker durch Erosion viel Sand in den Bach gespült, der nicht von einer
natürlichen Aue zurück gehalten
werden kann. Dadurch versandet die Gewässersohle und überdeckt Steine und
Totholz, wodurch wiederum das Strömungsbild sehr einheitlich wird. Insgesamt ist dieser Abschnitt stark vom
Menschen beeinflusst worden und weist eine naturferne Gewässerstruktur auf. Der
naturnahe Bachabschnitt hingegen besitzt noch die natürliche Vielfalt einer
intakten Gewässerstruktur. Er fließt stark mäandrierend durch einen Auwald,
der aus Erlen, Buchen und Eschen zusammengesetzt ist. Das Strömungsbild ist
wegen des reichhaltigen Angebots an Totholz und unterschiedlichen Steinen
sehr abwechslungsreich, wodurch sich viele Flachwasserbereiche und Tiefzonen
ausbilden können. Somit erhält dieser Bachabschnitt insgesamt eine sehr gute
Strukturnote. Das
Vorteilhafte an dieser Arbeit ist, dass man mit einfachen Methoden sehr
effektiv arbeiten kann und ein sehr differenziertes Bild über die Geologie
und Ökologie eines Baches erhalten kann. Aus diesem Grund ist die Gewässerstrukturanalyse
vor allem auch für die Anwendung im Schulunterricht geeignet. Zudem ist diese
Analysemethode sehr praxisnah und erfordert, dass man die Schulbank verlässt
und in die Natur geht. So kann den Schülern direkt in der Natur vermittelt werden,
wie unterschiedliche Strukturen eines Fleißgewässers aussehen können. Dies
macht den Schülern nicht nur Spaß, es schärft auch ihren Blick für
ökologische Fragen und Gesamtzusammenhänge. Daher ist die Strukturanalyse für
die Anwendung im Geographie- oder Biologieunterricht sehr gut geeignet. Wenn
Sie mehr über dieses Thema erfahren wollen oder weitere Fragen haben, können
Sie sich entweder auf der Homepage der Vereinigung Deutscher Gewässerschutz (www.vdg-online.de) viele Broschüren zum
Thema bestellen oder eine E-Mail direkt an mich senden (thorstenmerse@aol.com). Ich hoffe, dass ich durch die Teilnahme an Jugend forscht mit diesem Projekt eine breite Öffentlichkeit ansprechen und für dieses Thema interessieren konnte. Ich würde mich freuen, wenn die Arbeit an diesem Thema nicht nach Ende des Jufo-Wettbewerbes aufhört, sondern von vielen aufgegriffen und weitergeführt wird. Thorsten
Merse |