Memorandum der
Konferenz der Geowissenschaftlichen Fakultäten der Bundesrepublik
Deutschland zur Situation der
Geographie an den Schulen.
Verabschiedet auf der Plenarversammlung in Leipzig am 29. Oktober 1999.
1.Die Wissenschaft Geographie hat inhaltlich wie methodisch dualen
Charakter: Ihre Erkenntnisse schöpft sie zu gleichen Teilen aus der Analyse
physischgeographischer (naturwissenschaftlicher) sowie wirtschafts- und
sozialgeographischer (gesellschaftswissenschaftlicher) Fragestellungen.
2. Mit großer Sorge beobachtet die GEOKONFERENZ die Entwicklung des Schulfaches
Geographie Erdkunde. Der Unterricht hat
sich seit den 70er Jahren eher auf wirtschafts- und sozialgeographische
Lehrplaninhalte hin orientiert. Physischgeographische Lehrplaninhalte wurden
dagegen oft reduziert.
Dieser Trend ist umso unverständlicher, als sich im gleichen
Zeitraum das gesellschaftliche Bewusstsein für die Bedeutung von
geowissenschaftlichen Themen wie "Ökologie', "Umweltschutz", "Naturressourcen",
"Nachhaltigkeit" u.a. immer stärker entwickelte. Gerade diese Aspekte müssen in einem
Geographieunterricht durch physischgeographische Grundlagen unter Einbeziehung
der Wirtschafts- und Sozialgeographie vermittelt werden, wobei lokale,
regionale und globale Dimensionen zu beachten sind.
3. Mit gleicher Sorge sieht die GEOKONFERENZ den Abbau der
Stundenanteile des Faches Geographie / Erdkunde in vielen Bundesländern und
Schularten und / oder die Integration des Schulfaches Geographie / Erdkunde in
übergeordnete Lernbereiche, die überwiegend gesellschaftswissenschaftlichen
Charakter haben wie z. B. die Zusammenlegung von Geschichte, Sozialkunde und
Erdkunde. Durch beide Maßnahmen wird
die Möglichkeit der Vermittlung physischgeographischer Lehrinhalte entscheidend
geschwächt.
Aus dieser Situation ergeben sich für die
Teilnehmer der 15. Plenarversammlung
der GEOKONFERENZ in weitgehender Übereinstimmung mit der 1996 formulierten "Leipziger
Erklärung zur Bedeutung der Geowissenschaften in Lehrerbildung und Schule" (Alfred-Wegener-Stiftung) folgende
Forderungen an alle für das Schulfach Geographie / Erdkunde Verantwortlichen:
1. Beachtung des grundsätzlich dualen und damit syntheseorientierten
Charakters des Schulfaches Geographie / Erdkunde und ggf. Korrektur der unproportionalen Verteilung
physischgeographischer sowie wirtschafts- und sozialgeographischer Inhalte in
Lehrplänen.
2. Stärkung der Geographie / Erdkunde als eigenständiges
Schulfach, da nur so die Möglichkeit besteht,
im Rahmen umweltrelevanter Themen dafür erforderliche geologische,
geophysikalische und mineralogische Inhalte den Schülern zu vermitteln.
3. Keine Kürzung der Stundenanteile, damit Themen der
Umweltbelastung, der ökologisch sinnvollen Nutzung und der nachhaltigen
Entwicklung in lokalen, regionalen und globalen Dimensionen in der notwendigen
Gründlichkeit vermittelt werden können.
4. Eröffnung der Kombination des Faches Geographie auch mit
naturwissenschaftlichen Fächern wie Biologie, Chemie und Physik im
Lehramtsstudium in den Bundesländern, in denen dies bisher nicht möglich ist.