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Dr. Dieter Richter
Ehrenvorsitzender des
Verbandes Deutscher Schulgeographen
Studiendirektor Dr. Dieter Richter wurde in der Delegiertenversammlung des Verbandes
Deutscher Schulgeographen am 6. Oktober 1998 einstimmig gebeten, als Ehrenvorsitzender dem
Verband weiterhin mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Er hatte sich dazu entschlossen,
zur Wahl des 1. Vorsitzenden nach zwei Amtszeiten nicht erneut zu kandidieren. Den
Vorschlag brachte der langjährige Wegbegleiter und Freund Dr. Richters, Herr Dr. Dieter
Börsch, im Namen des Landesverbandes Rheinland-Pfalz ein. Dr. Richter nahm die ehrenvolle
Aufgabe an.
Dr. Dieter Richter führte den Verband Deutscher Schulgeographen seit 1990, als er zum
Nachfolger von Dr. Heinz-Werner Friese gewählt wurde, der seinerseits damals die Bitte
nicht abgeschlagen hat, dem Verband als Ehrenvorsitzender zur Seite zu stehen. In den
zwei, jeweils vierjährigen Amtsperioden hat Dr. Richter sich nicht nur als Sachwalter
für die Belange der Schulgeographie gefühlt und eingesetzt, sondern auch entscheidende
Anstöße für die Festigung, Stärkung und Weiterentwicklung des eigenständigen
Schulfaches Erdkunde und damit der geographischen Bildung und Umwelterziehung der
Schülerinnen und Schüler in Deutschland gegeben.
Mit viel Geschick und großem persönlichen Einsatz hat er es gleich zu Beginn seiner
ersten Amtszeit verstanden, in den neuen Bundesländern auf dem Gebiet der ehemaligen DDR
die Gründung von Landesverbänden anzuregen, diese dann zu stärken und in den
Gesamtverband einzugliedern. Für zwei der vier Deutschen Schulgeographentage, die er als
1. Vorsitzender des Verbandes Deutscher Schulgeographen leiten konnte, fand er mit Dresden
(1994) und Greifswald (1996) attraktive Tagungsorte in den "neuen"
Bundesländern. Ihnen zur Seite standen die Deutschen Schulgeographentage in Karlsruhe
(1992) und Regensburg (1998).
Dr. Richters besondere Mühen galten der Festigung der abbröckelnden Stundenanteile
des Schulfaches Erdkunde an den Schulen in Deutschland einerseits sowie dem
bildungspolitischen Widerstand gegen die Erosion des Faches durch die Übertragung seiner
angestammten Inhalte in andere Fächer oder neu begründete "Überfächer".
Unermüdlich wies er auf die Bedeutung und Notwendigkeit des kontinuierlichen,
zweistündigen, fach- und methodenkompetenten Erdkundeunterrichts in allen Schularten hin.
Mit dem "bildungspolitischen Positionspapier zur Standortbestimmung des
Geographieunterrichts in der Bundesrepublik Deutschland: Geographische Bildung und
Umwelterziehung - eine Forderung unserer Zeit" (1994) meißelte er seine und die
Überzeugung des Gesamtverbandes in die bildungspolitische Landschaft.
In Zusammenarbeit mit den Fachverbänden der Geschichts- und Gemeinschaftskundelehrer
in Deutschland erreichte er in der "Würzburger Erklärung" von 1995
innerhalb der drei Verbände die Übereinstimmung in der Ansicht, dass Geographie,
Geschichte und Gemeinschaftskunde drei gleichermaßen berechtigte und bildungsbedeutsame
Fächer in den Schulen sind und keines gegenüber dem anderen benachteiligt werden dürfe.
Erst zusammen ergeben sie die für den künftigen aufgeklärten und
verantwortungsbewußten Bürger in unserem Staatswesen notwendige politische Bildung, die
bedeutender Teil der allgemeinen ist. Entsprechend der Teilhabe der Geographie sowohl an
den Kultur- und Sozialwissenschaften als auch an den Naturwissenschaften erreichte er in
der "Leipziger Erklärung zur Bedeutung der Geowissenschaften in Schule und
Hochschule", die maßgeblich auf seinen Vorschlag hin unter Federführung der
Alfred-Wegener-Gesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Geographie im Jahre 1996
von Vertretern aller Geowissenschaften verabschiedet wurde, die Anerkennung des Faches
Erdkunde als Zentrierungsfach für die geowissenschaflichen Fächer in der Schule.
War damit die Rolle des Schulfaches Erdkunde im Spektrum der benachbarten und
verwandten Fächer geklärt und und von diesen anerkannt, so war nunmehr der Schritt
notwendig, darauf zu drängen, dass die von den Universitäten und Seminaren kommenden
Lehrer/innen auch inhaltlich und methodisch umfassend dafür ausgebildet sind, das
Schulfach Erdkunde einerseits in allen seinen Nuancen, andererseits in wohlverstandener
pädagogischer und didaktischer Reduzierung und Akzentuierung zu unterrichten. Dr. Richter
gelang es, zusammen mit dem Hochschulverband für Geographie und ihre Didaktik unter dem
für beide Verbände gemeinsamen Dach der Deutschen Gesellschaft für Geographie im Jahre
1997 die "Nürnberger Erklärung zur Lehrerausbildung: Empfehlungen zur
Optimierung der Lehrerausbildung im Fach Geographie" zu erarbeiten und zu
verabschieden.
Dr. Richter bemühte sich aber nicht nur, die Stellung der Geographie an der Schule im Fächerkanon und in der Ausbildung zu stärken und zu festigen. Auch die Gestaltung und die Inhalte des Unterrichts selbst lagen ihm am Herzen. So initiierte er für das Jahr 1996 in Leipzig die Fachtagung "Das Schulfach Erdkunde als Vorreiter für den fächerverbindenden Unterricht" und stellte damit die hervorragende Rolle heraus, die das Fach im Rahmen der aktuellen Diskussion um fachübergreifenden Unterricht und fächerverbindendes Lernen aufgrund seiner fachimmanenten interdisziplinären Struktur einnimmt. Schließlich gelang es ihm zum Ende seiner Amtszeit, den "Basislehrplan Geographie - Sekundarstufe I" des Zentralverbandes der Deutschen Geographen aus dem Jahre 1980 verbandsintern zu überarbeiten und zu aktualisieren, so dass er in der letzten von Dr. Richter geleiteten Sitzung des Gesamtvorstands am 4. Oktober 1998 als "Grundlehrplan Geographie - ein Vorschlag des Verbandes Deutscher Schulgeographen" als neue Grundlage für die Gestaltung von Lehr- und Bildungsplänen bzw. Rahmenrichtlinien für das Fach Erdkunde an den Schulen in Deutschland verabschiedet werden konnte.
Neben all diesen Aktivitäten für die Schulgeographie innerhalb des Verbandes
Deutscher Schulgeographen hat Dr. Dieter Richter als Schulbuchautor den Erdkundelehrern
praktische Hilfen für ihren Unterricht gegeben und mit sicherem Gespür für das
Angemessene, Wichtige und Richtige zahlreiche bedeutsame und oft zitierte Publikationen zu
den Inhalten und zur Didaktik der Geographie erarbeitet. Bei alledem hat er seine
eigentlichen Berufspflichten nie vernachlässigt: Als Fachleiter für Geographie am
Staatlichen Studienseminar in Hannover bildet er Studienreferendare aus und unterrichtet
als Lehrer Schüler/innen an seinem Gymnasium.
Dr. Richter hinterläßt dem Verband Deutscher Schulgeographen nach acht Jahren intensiver und erfolgreicher Tätigkeit als 1. Vorsitzender ein gleichermaßen wohlbestelltes Feld wie wohlgeordnetes Haus, die es nachhaltig zu pflegen und harmonisch weiter auszubauen gilt. Der Rat des neuen Ehrenvorsitzenden wird für den Vorstand wichtig bleiben, gerne gesucht, aufmerksam gehört und sorgfältig bedacht werden.